Cappella Vocale Berlin
Vokalensemble der Ev. Kirchengemeinde zu Staaken

2020-03-27_kunstPause

Liebe Besucher*innen!

Unsere für Freitag, 27. März geplante kunstPause musste natürlich ausfallen, aber Sie können sie, wenn Sie mögen, jetzt und hier als kunstPause für daheim genießen. Lesen und scrollen Sie auf dieser Seite weiter, wenn Sie die Gelegenheit dafür nutzen wollen, oder klicken Sie

hier (zur Homepage der Cappella Vocale Berlin),

wenn Sie sich gleich weiter auf unserer Homepage umsehen wollen.

Die Corona-Krise, die geschlossenen Kirchen und Kulturstätten, die Schlangen vor den Supermärkten, die Klopapier-Hamsterkäufe und das weitgehende Kontaktverbot haben wir zum Anlass genommen, um einmal die semantischen Felder „Orte“, „Nicht-Orte“ und die „Ewigkeit“ in einen Fokus spielerisch-künstlerischer Gedanken zu stellen, natürlich verbunden mit wunderschöner Chormusik.

Die Überschrift der kunstPause lautet dieses Mal „Nicht-Ort Ewigkeit?“, und wir präsentieren Ihnen Live-Mitschnitte zweier Chorwerke von Sven-David Sandström (To See a World) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Am Neujahrstage), die wir gemeinsam mit dem Jungen Consortium Berlin und dem Vokalkolleg am 26. Januar d. J. im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie gesungen haben. Mit dem Titel setzen wir die Musik in einen fiktiven künstlerischen Zusammenhang mit einer berühmt gewordenen kleinen Abhandlung des französischen Anthropologen Marc Augé. Im Klappentext des Büchleins „Nicht-Orte“ von 1992 heißt es:

„Marc Augé ist der Ethnologe des «Nahen». In Nicht-Orte konstatiert er im Zusammenhang von Modernisierung und Globalisierung weltweit eine rasante Zunahme von sinnentleerten Funktionsorten. Solche «Nicht-Orte» wie beispielsweise Flughäfen, U-Bahnen, Flüchtlingslager, Supermärkte oder Hotelketten sind keine «anthropologischen» Orte, man ist nicht heimisch in ihnen, sondern es sind «Orte des Ortlosen». Diese Räume stiften keine individuelle Identität, haben keine gemeinsame Vergangenheit und schaffen keine sozialen Beziehungen: «Der Raum der Nicht-Orte schafft Einsamkeit und Gleichförmigkeit.»“

Gegen „Nicht-Orte“ setzt Augé „anthropologische Orte“, die durch Identität, Relation und Geschichte gekennzeichnet seien. Im Nachwort konstatiert er:

„Wenn ein Flugzeug auf einem Fernflug saudi-arabisches Territorium überquert, verkündet die Stewardess, dass der Konsum von Alkohol für die Zeit des Überflugs untersagt ist. Hier zeigt sich, wie das Territorium in den Raum eindringt. Boden = Gesellschaft = Nation = Kultur = Religion: Die Gleichung des anthropologischen Ortes findet ihre flüchtige Niederschrift im Raum. Befindet man sich dann wenig später wieder im Nicht-Ort des Raumes und ist dem totalitären Zwang des Ortes entgangen, so gewinnt man etwas wieder, das der Freiheit ähnelt.“

Und die „Ewigkeit“?
…eine „Ort“-lose Fiktion?
… „Boden = Religion“?
…und „Zeit“ und „Zeiten“?

Wir laden Sie nun dazu ein, die kunstPause für daheim herunterzuladen. In Ihrem dann geöffneten Download können Sie die beiden Chorstücke direkt zum Anhören anklicken. Neben der Musik finden Sie darin einen Auszug der im Vorwort von Marc Augés „Nicht-Orte“ wiedergegebenen Episode eines modernen Lebens sowie einige Zitate des Kapitels „Von den Orten zu den Nicht-Orten“.

Vielleicht sinnieren Sie ein wenig darüber, ob die von Sandström besungene „Eternity“ und die „Ewigkeit" des Psalmisten bei Mendelssohn Bartholdy (die Begrifflichkeiten unterscheiden sich womöglich) nun zu den Orten oder zu den Nicht-Orten zählen – oder ob sie dazwischen, darüber, ganz woanders oder vielleicht im Weder-Noch stehen.

kunstPause für daheim als PowerPoint-Präsentation    |    kunstPause für daheim als pdf-Datei

Wir wünschen Ihnen viel Spaß. Wir hoffen natürlich, die kunstPause recht bald wieder in der gewohnten Form durchführen zu können. Bitte bleiben Sie gesund!


PS: Wir empfehlen, die Aufnahmen nicht über den PC- oder Handy-Lautsprecher, sondern mit einem Kopfhörer oder über eine gute Audio-Anlage anzuhören. Und wir freuen uns über eine kurze Rückmeldung zur kunstPause für daheim!


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